Ist Gehörlosigkeit eine Behinderung?

Gehörlosigkeit wird seitens der Medizin über den Grad des Hörverlustes definiert. Liegt im Bereich zwischen 125 und 250 Hz ein Hörverlust von mehr als 60 dB und im übrigen Frequenzbereich von mehr als 100 dB vor, handelt es sich um „Gehörlosigkeit“. Von „hochgradiger Schwerhörigkeit“ wird gesprochen, wenn der mittlere Hörverlust 70 bis 100 dB beträgt. Ein Hörverlust zwischen 85 und 100 dB wird auch als „Resthörigkeit“ oder „an Taubheit grenzender Schwerhörigkeit“ bezeichnet.

Der Grad der Behinderung ergibt sich aus entsprechenden Tabellen zur Bewertung des Hörverlustes sowie aus weiteren Kriterien, wie beispielsweise in welchem Alter die Hörschädigung aufgetreten ist, inwieweit die Sprachentwicklung beeinträchtigt ist, die Möglichkeiten der Hörgeräteversorgung, seelische Belastungen u.s.w. Er wird im Behinderten- bzw. im Schwerbehindertenausweis vermerkt.

Die medizinische und auch sozialrechtliche Perspektive spiegelt die defizitäre Sichtweise auf Gehörlosigkeit als einer Behinderung wider. Aus Sicht der Betroffenen selbst, wird Gehörlosigkeit hingegen nicht über fehlendes Hörvermögen definiert, sondern sprachlich und kulturell. Sie sehen sich verstärkt als sprachliche Minderheit – als Menschen, die vorzugsweise in Gebärdensprache kommunizieren und sich der Gebärdensprachgemeinschaft und ihrer reichen Kultur zugehörig fühlen.

Tipps & Hinweise
In der Alltagskommunikation zwischen Hörenden und gehörlosen Menschen ist die Beachtung folgender Tipps und Hinweise hiflreich:
  • Schauen Sie Gehörlose beim Sprechen an und halten Sie Blickkontakt.
  • Achten Sie darauf, dass genug Licht auf Ihr Gesicht fällt und Ihr Mund nicht verdeckt ist.
  • Sprechen Sie langsam und deutlich – aber sprechen Sie nicht lauter als üblich. Zu lautes Sprechen verzerrt die Gesichtzüge und erschwert das Absehen.
  • Benutzen Sie eine deutliche Mimik und Gestik.
  • Verwenden Sie kurze, klare Sätze und vermeiden Sie Fremdwörter.
  • Sprechen Sie möglichst Hochdeutsch, denn das Absehen von Dialekten ist noch schwieriger.
  • Möchten Sie den Gehörlosen ansprechen, können Sie seine Aufmerksamkeit durch Wink-Bewegungen der Hand auf sich ziehen. Scheuen Sie sich nicht, ihn ggf. auch leicht an der Schulter oder am Arm zu berühren, oder das Licht ein- und auszuschalten – Gehörlose sprechen sich auf diese Weise an und werden das nicht seltsam finden.
  • Schreiben Sie auf.
  • Lernen Sie Gebärdensprache.
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